Samstag, November 02, 2013

Lou

In scheinbar regellosen, also chaotischen Systemen können sich geordnete Strukturen entwickeln, die eine universelle Gültigkeit besitzen - so eine der Grundaussagen der Chaosforschung. In einem komplexen System wie dem des Wetters ist die Zahl der Einflüsse so hoch, dass Voraussagen bekanntlich schwierig sind – der berühmte Schmetterlingsschlag im Amazonas, der in Europa einen Orkan auslösen kann.

Hat man nicht den Anspruch, in die Zukunft blicken zu wollen, kann man fasziniert beobachten, wie sich scheinbar zufällig Muster entwickeln. Ein Beispiel dafür sind Fraktale, denen zwar mathematische Formeln zugrunde liegen, deren endgültige Form aber nicht im Voraus bestimmt werden kann.

1975 machte Lou Reed ein Experiment, das in diese Richtung ging. Er stellte zwei Verstärker und drei unterschiedlich gestimmte Gitarren auf. Er brachte die Seiten zum Schwingen und wartete, bis eine Rückkopplung entstand – eine Dynamik, in der Verstärker und Instrumente den Sound hin- und her schieben und sich gegenseitig aufschaukeln. Dabei entwickelten sich Klangmuster, die der ehemalige Gitarrist von Velvet Underground auf zwei Schallplatten presste und mit dem Titel "Metal Machine Music" veröffentlichte.