Dienstag, Juli 02, 2013

BLUTHOCHZEIT

Fortners neueste Partitur erweitert sein Schaffen um ein originelles Werk der angewandten Musik und stellt ihn damit Boris Blacher und Werner Egk an die Seite. Mit diesen hat er die überaus geschickte Handhabung des kompositorischen Rüstzeugs und die Fähigkeit der Umsetzung gestisch-szenischer Visionen in zwingenden musikalischen Ausdruck gemeinsam. Wie seinerzeit schon Schreker ist Fortner auf der Suche nach einer literarischen Vorlage auf Oscar Wildes hintergründig-psychologisches Kunstmärchen vom „Geburtstag der Infantin“ gestoßen. Es ist die feinfühlig-zarte, von einer etwas hektisch glühenden, maurisch-spanischen Phantastik umgebene Geschichte vom häßlichen Zwerg, der sich in die lieblich-kindhafte, doch hoffärtig-kühle Prinzessin verliebt und von ihr, aus einer Laune heraus, eine Rose empfängt. Das legt er in seiner Einfalt als Liebeserwiderung aus, bis er im Spiegel plötzlich seiner Häßlichkeit inne wird und, von Schmerz überwältigt, tot zusammenbricht.



Die Orchestereinleitung mit dem Aufzug der Hofgesellschaft, in Form einer Pavane, ist von gleichsam gläserner Doppelbodigkeit. Sie wird abgelöst von der schwelgerischen Melodik einer Sarabande, der scharfen Rhythmik eines Bolero (Kinderstierkampfes), der orientalisierenden Farbigkeit des Spiels der Gaukler und Bären, der zarten Harmonik einer Berceuse und, in den zweiten Teil überleitend, einem von Gitarren, Mandolinen und Zither begleiteten Zigeuner-Polo für Alt-Stimme und Frauenchor. Den zweiten, gewissermaßen surrealen Teil, vom Ballett der Blumen und Tiere (der Pfau ist die Variation des Themas der Hofgesellschaft) couleurreich eingeleitet, beherrscht ein konzertanter Tango (Pas-de-deux) von spiritueller Grazie, aus dem ein leise an Richard Strauß gemahnender Walzer und, sehr eigenwillig, ein scharf synkopierter Boogie-Woogie hervorgehen, der das groteske Gebaren des unglücklichen Zwerges illustrativ unterstreicht. Spiegeltanz und Todespantomime mit einer (bei Wilde fehlenden) „Huldigung vor der Prinzessin“ beschließen das interessante Werk

Images of the Dream and Death Part I


Sommer