Sonntag, April 07, 2013

tulpen und narzissen


1972

Als  Christian Wulffen



an der Realschule auftauchte .... Entsetzen bei meinen langweiligen Mitschüler, die durch die Bank dröge Landeier waren. So etwas wie Christian gab in der ganzen muffigen Bodensee Kleinstadt nicht noch einmal. Christian zeigte mir dann bei sich im Kinderzimmer seine ersten künstlerischen Versuche. Ich war zutiefst beeindruckt. Sein Bruder Thomas Wulffen



bewegte stundenlang ein Rohr in dem ein Stein war. Das kam mir sehr durchgeknallt vor. Auf dem Plattenspieler ... eine LP von einem La Monte Young, die  Stefan Wulffen



in München in der Galerie Friedrich gekauft hatte.

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Juli 1969 - Galerie Friedrich in der Maximilianstraße in München - Ulrike Trüstedt bringt mich zu La Monte Young & Marian Zazeela - im Flur ein Regal mit mindestens 9 gesteuerten Diaprojektoren, jeder projiziert eine gezeichnete Grafik auf dieselbe Fläche, langsam auf- und abblendend; im Ausstellungsraum entsteht eine Art orientalischer Teppich mit ständig variierenden Mustern, sich verschränkend und auflösend. La Monte Young sitzt und singt - mit einem Mikrofon beinahe im Mund - Oberton-Klanggebilde oder eher Vokalverfärbungen (die Obertonmusik gab es damals noch nicht in Europa), im Raum eine Sinusklangfläche, fein aufeinander abgestimmte Frequenzen, ein Gerät aus schönem Holz mit vielen Regelknöpfen, vor La Monte Young ein längliches helles Metallobjekt, innen mit einer Kugel, die er hin und her bewegt, ca. 15 cm im Durchmesser; La Monte Young fragt mich nach einem hochohmigen Mikrofon, möglichst einem Kondensatormikrofon zum Verstärken der Rollgeräusche. Im Raum zwei oder drei Besucher, sie liegen am Boden. Wir legen uns ebenfalls auf den Boden. Die Musik statisch behutsam weiter fließend, eine Stunde, zwei Stunden, ...., vier Stunden. Wieder auf der Maximilianstraße, leicht benommen, München wie in farbige Watte getaucht. Ein Schlüsselerlebnis. "Musik für Räume" - bis heute eine wesentliche Kunstform unserer eigenen Musik und den zugeordneten Laser-Licht-Projektionen aus dieser Zeit - von La Monte Young und Marian Zazeela bestätigt.

Swing tanzen verboten – ein Mythos?





Aufkleber aus den 2000er Jahren

Swingtanz-Verbote wurden seit 1937 „auf örtlicher oder regionaler Ebene verhängt“ und betrafen vor allem Tanzlokale, in denen regelmäßig Swing getanzt wurde. Seit 1938 waren rund um den Berliner Tanzpalast Moka Efti, wo das Orchester von Erhard Bauschke spielte, Schilder mit der Warnung aufgestellt, dass Swingtanzen verboten sei. „Kellner gingen gegen Zuwiderhandelnde höflich, aber entschieden vor.“ Diese Verbote kamen „in jedem Fall mit ausdrücklicher Unterstützung durch das Berliner Regime“; 1939 zogen die Wehrmacht und Parteiorgane nach.[5] Der damals führende Swingmusiker Teddy Stauffer berichtete ebenfalls von Verboten, in den Tanzlokalen Swingmusik zu spielen.[6]

Dass verpflichtend in allen Gaststätten Schilder mit Swing tanzen verboten hingen, ist eine moderne Legende. Solche Schilder wurden in den 1970er Jahren als Marketinggag erfunden und seitdem vertrieben. Zeitzeugen berichten auch davon, dass linientreue Gastronomen oder solche, die Ärger mit der Reichskulturkammer oder der Gestapo vermeiden wollten, selbst solche Schilder anfertigten und aufhängten. Nach Kriegsbeginn 1939 wurden ohnehin öffentliche Tanzveranstaltungen zunehmend untersagt. Nach der deutschen Niederlage mit dem Untergang der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad vom Februar 1943 musste das vom Reichsinnenminister und SS-Führer Heinrich Himmler erlassene allgemeine Tanzverbot strikt befolgt werden