Samstag, Dezember 29, 2012

U- Bahn









Photoshop




29.12.2012 - 7:00


28.12.2012 Evening





Dadada



Vor fast 30 Jahren - wobei es dem Rezensenten gar nicht vorkommt, als wäre es schon so lange her - gab eine "Band" ihr Debütkonzert, die damals die teutonische Popkultur verändern sollte - zumindest vorübergehend - wie kaum eine Formation davor. Inzwischen werden sich wohl nur noch die etwas älteren babyblauen Leser an dieses Ereignis erinnern. Drei Typen aus Großkneten stürmten mit ihrem genial-albernen Minimalpop die Charts und für Wochen kam "Da Da Da - ich lieb dich nicht, Du liebst mich nicht - aha" im Stundentakt aus allen Radios (und das nicht nur in Deutschland). Anhand der da gebotenen musikalischen Leistungen von Stephan Remmler, Gert Krawinkel und Peter Behrens, kurz Trio, hätte man wohl nicht vermutet, dass die Protagonisten davor irgendeine musikalische oder instrumentaltechnische Vorbildung genossen hätten. Weit gefehlt! Alle drei hatten schon viele Jahre im Musikgeschäft auf dem Buckel.

Der "Schlagzeuger" von Trio war Peter Behrens.





Meist sah man ihn in den Videos der Band teilnahmslos irgendwo im Eck stehen, neben sich eine einzelne Snaredrum als Stehschlagzeug, welches er mit einer Hand bediente, während er sich mit der anderen einen Apfel zu Gemüte führte. Gut zehn Jahre früher hat Behrens ganz andere Musik gemacht, was uns schließlich zum eigentlichen Thema dieser Rezension bringt. Anfang der 70er Jahre war Behrens nämlich in einem anderen Trio tätig, welches sich Silberbart nannte und 1971 mit "4 Times Sound Razing" sein einziges Album vorlegte.

Kreativer Kopf von Silberbart war der Gitarrist und Sänger Hajo Teschner, der alle Stücke des Albums komponiert hat. Dazu kam noch, neben Behrens am Schlagzeug, Werner Klug am Bass. Eines sei gleich festgestellt: Peter Behrens kann durchaus mehr, als nur mit einer Hand eine kleine Trommel zu bearbeiten. Ein recht zeittypisches, psychedelisch-derbes Triokrautgejamme gibt es auf "4 Times Sound Razing" zu hören. Das einleitende "Chub Chub Cherry" bietet dabei noch recht normalen, damals aktuellen Hardrock mit Spät-60er-Atmosphäre, der wohl auf einem Album der Stooges, von MC5 oder Frost nicht weiter aufgefallen wäre. Dann geht das jammen los. E-Gitarre, Bass und Schlagzeug wuseln mehr oder weniger komplex durcheinander, psychedelisch-schräg, meist heftig und verzerrt wütend, freiformatig-improvisierend (vor allem im abschliessenden "Head tear of the drunken sun"), unterbrochen von einigen etwas ruhigeren, klangschwebenden Abschnitten. Dazu gibt es noch kraftvollen, etwas arg gepressten Gesang Marke Hardrockshouter. Der Klang des Ganzen ist erstaunlich gut, doch da die Scheibe bei Philips erschienen ist, wurde offenbar nicht bei der Produktion gespart.

Vergleichbar ist die Musik (vom Gesang abgesehen) mit den zeitgleichen Hervorbringungen von Guru Guru. Allerdings war das Trio um Mani Neumeier etwas gehaltvoller, spaciger und abwechslungsreicher zu Gange, insbesondere was die Gitarrenarbeit anbelangt. Silberbart bieten auf ihrem einzigen Album einen recht wüsten Psychokrautlärm, der auf Dauer doch etwas gleichförmig ausgefallen ist, in gewissen Kreisen aber trotzdem Kultstatus genießt. Wer also kantige Garagenpsychedelik, rumpeligen Hardprog (im englischsprachigen Raum nennt man so etwas wohl "Heavy Prog") und ausgedehntes, freiformatiges, gitarrendominiertes Gejamme schätzt, dem könnte "4 Times Sound Razing" durchaus munden. Mir ist das Gebotene allerdings eine Spur zu primitiv und eintönig.

Achim Breiling

Morning Raga