Donnerstag, Mai 03, 2012


Abendbrot



Die Bayern sagen dazu Brotzeit oder deftiger ..... Vesper.

Für mein Vater war es die wichtigste Mahlzeit am Tag ... und die einzige die er selbstständig, ohne weibliche Hilfe, erschaffen konnte.

Zunächst schnitt er sich andächtig ein Brotscheibe ab.

Er holte dazu ein etwas angerostetes Messer, es war da einzige scharfe Messer in der Küche und stammte wohl noch von meinem Ururgroßvater, aus der Schublade und säbelte sorgfältig, exakt eine Zentimeter starke Scheibe vom duftenden Bauernbrotlaib (holzofengebacken) ab.......

Diese Scheibe Brot legte er auf ein Brettchen, das auch schon bessere Tage gesehen hatte.

Dann öffnete er den Kühlschrank, schaute genussvoll hinein, und holte die Wurst heraus die in einer etwas schmierigen Plastikbox gelagert war.

Dann die Butter.

Mit seinen schönen Händen befreite er mit einer eleganten Bewegung, das gute, gelbe Stück von der Verpackung.

Dann noch die Gürkchen geholt, und an besonderen Tagen ... gab es eingelegte Paprika aus dem Glas (von Aldi, der große Pot).

Das alles wurde sorfältig auf den Küchentisch an seinem angestammten Sitzplatz gestellt.

Dann atmete er durch und wartete bis sein Schwarztee fertig gezogen war.

In diesen Tee schüttete er dann reichlich Zucker und Zitronensaft und .... brrr. .. Johanissbeersirup (von Migro/Schweiz).

Er setze sich dann zufrieden und schnitt dann, wegen seiner schlechten Zähne, die Brotkrume um der Scheibe genau mit einem Zentimeter Abstand auf.

Mit größter Sorgfalt landeten langsam die Bierschinkenscheiben auf dem Brot. Dazu hauchdünn geschnittene eineglegte Gürkchenscheiben.

Im Winter.

Im Sommer gab es immer Tomatenscheibchen die hauchdünn mit Salz bestrichen wurden.

Das tat er mit dem gleichen, uralten Messer.

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Mein Abendbrot gab es heute auf meinem Balkon. Besteck auf Messerbänkchen.

Mit Messerbänkchen kann nichts schief gehen. Stilvoller kann man seinen Tisch wohl nicht decken.

Rainer