Samstag, November 19, 2011

Berlin 1982





Nudeln mit Trüffelbutter +

Emmentaler käse (aus dem Allgäu, Schweizer ist im Moment sehr teuer) vom Überlinger Markt. Nicht ganz billig aber gut. Wobei die Trüffelbutter so intensiv schmeckt und damit sehr ergiebig ist.



Beeren von Lidl (?) mit Sprühsahne

Und Bodenseekretzer gab es. 20 Stück für 5€.







Rainer

Welttoilettentag

Als Welttoilettentag wurde der 19. November erstmals 2001 von der Welttoilettenorganisation ausgerufen. Von den Vereinten Nationen wird der Vorschlag, den 19. November zum regelmäßigen Jahrestag zu machen, mitgetragen. Hintergrund ist das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung mit seinen gesundheitlichen und sozio-ökonomischen Folgen, insbesondere aufgrund dadurch bedingter Krankheiten.







Spiegel, das Politmagazin 51/1967

Der lange Marsch

(siehe Titelbild)

Die bleiche Stirn vom nachtschwarzen Schopf überflattert, das Kinn von Stoppeln verschattet, die dunklen Augen unter buschigen Brauen ekstatisch entflammt, den tief in die hageren Wangen eingekerbten Mund aufgerissen zu angestrengter Artikulation: Rudi Dutschke, redend.

Die Revolution trägt Pullover, grob die Masche, grell das Muster. Farbige Streifen über Brust und Bizeps künden vom Querliegen des Rebellen. Die Ärmel sind hochgekrempelt in Pack-an-Manier. Der Oberkörper pendelt, die Rede skandierend, vor und zurück. Die Faust liegt, Daumen emporgereckt, geballt auf dem Tisch. Die Unterarme sind raumgreifend abgewinkelt, wie es die Choreographie einer Arbeiterkantate verlangt,

Da ist nichts an Rudi Dutschke, was nicht dem Bild des braven Bürgers vom Revolutionär entspräche. Und wenn er von Revolution spricht, ist sein Antlitz düster-schreiender Protest. Doch der 27jährige Soziologiestudent an der Berliner Freien Universität (FU) schreit nicht, brüllt nicht.

Er spricht eher angestrengt einförmig -- &ne narkotisierende

Litanei, wären die herausfordernden Gedanken nicht. Seine Sprechweise ist künstlich und verrät mühselige Arbeit an der Zunge, Arbeit an sich selbst. Oberscharf betont er die Konsonanten, übermäßig dehnt er die Vokale: "Iiich deeenkee."

Was Dutschke denkt, ist "Revolution", "Konterrevolution", "Obstruktion", "Produktion", "Reproduktion", "Subsumption", "Integration", "Transformation", "Abstraktion", "Repression", "Manifestation", "Manipulation".

Kaum ein Mensch versteht"s, doch die Republik spricht von ihm. Wenn das Stichwort "Dutschke" fällt, werden müde Partys munter, laue Politiker laut. Daß jemand derart die Gemüter bewegt -- das ist selten geworden in Deutschland. Seit Monaten inspiriert er deutsche Leitartikler: ein "antiautoritärer Anarchist" für die "Süddeutsche Zeitung", ein "ideologischer Wunderprediger", für "Die Zeit" ein "Chef-Revoluzzer" mit "Menschenverächter-Komplex" für die "BZ" und "unser Rudi" für Tausende deutscher Studenten.

Für die einen ist er Ekel, für die anderen edel. Manche halten den Postbeamtensohn aus dem märkischen Dorf Schönefeld bei Luckenwalde für einen Psychopathen, andere für einen Taugenichts, der auf Kosten der Steuerzahler studiert und noch dazu Krawall macht. Die "FAZ" identifiziert ihn als "Gewissen einer außerparlamentarisch sich verstehenden Opposition". Das "gesunde Volksempfinden", von der Schweizer "Weltwoche" sondiert, macht ihn aus als "Agenten der ostzonalen Machthaber".

Sein "Mönchsgesicht" ("Die Zeit") blickt immer häufiger von bundesdeutschen Mattscheiben. Er ist gefragt: Binnen zehn Tagen sprach er im West-Berliner "Prisma"-Klub, in der Technischen Universität Bochum, in der "Lila Eule" zu Bremen und im Auditorium maximum in Hamburg.

Seine Auftritte, eine Mischung aus erdigem Proletentum und hochgestochenem Soziologen-Seminar, locken Tausende von Studenten in die Hörsäle zu Frankfurt, Berlin oder Hamburg. Und auch der geistig regere Teil der Gesellschaft, die Dutschke umkrempeln möchte, eilt herbei, das Phänomen mit dem Opernglas zu beäugen. Ebenso fasziniert wie irritiert verspüren die Zuschauer den Anhauch eines demagogischen Talents.

Dutschke in finsteren Andeutungen: "Der prinzipielle Verzieht auf Illegalität und Gegengewalt macht uns ... zu verwertbaren und nützlichen Idioten." Er erinnert daran, daß der Wiener Justizpalast 1927 von Arbeitern in Brand gesteckt wurde: "Ich sage dies nur als Beispiel, aber jeder soll selbst nachdenken."

Dutschke in heller Verheißung: Noch nie sei die Möglichkeit "so groß" gewesen, den Garten Eden zu schaffen -die "phantastische Erfüllung des uralten Traums der Menschheit". Das ist sein Ziel: "Wir wollen ein bewußtes und mündiges Volk."

Es ist die kindliche Vision von einem Elysium ohne Bürokratie und Militär, ohne Krieg und Elend -- die ewige Sehnsucht nach einer heilen Welt. Laut Dutschke läßt sie sich nun, in der hochindustrialisierten Welt, endlich stillen: wenn nur die Menschen die Mächtigen entmachten ("Abbau der Herrschaft von Menschen über Menschen"); wenn sie nur durch direkte Aktionen und Provokationen das "System der Manipulation" durchbrechen ("Entlarvung autoritärer Strukturen"); wenn sie nur sich und ihrer geschichtlichen Möglichkeiten bewußt werden: "Die materiellen Voraussetzungen für die Machbarkeit unserer Geschichte sind gegeben.

Deshalb die radikale Absage an alles Bestehende, an die Parteien (die für ihn nicht die wahren Interessen der Bevölkerung vertreten), an das ganze parlamentarische System (das für ihn nur eine Interessen-Börse ist), an die Universitäten (die für ihn in ihrer heutigen Form nur schlecht rationalisierte Fabriken zur Herstellung von Fachidioten sind), an das Wirtschaftssystem, an die Presse -- an alle Institutionen, die den Bürger "manipulieren". Er braucht einen besseren Menschen, bewußt seiner selbst und seiner Möglichkeiten.

Karl Marx war es, der schon 1850 erkannte: "In der allgemeinen Prosperität kann von einer wirklichen Revolution keine Rede sein." Doch Opa Marx ist tot für den Marxisten Dutschke. Für ihn ist die Revolution dennoch möglich, gerade jetzt -- wenn auch nicht per Handstreich, sondern in einem mählichen, vielleicht Jahrzehnte währenden Prozeß zunehmender "Bewußtwerdung", der die Menschheit einsichtig macht für die Sinnlosigkeit bisheriger Ordnungen. In der ihm eigenen Art gab er Deutschlands bestem TV-Interviewer, Günter Gaus, am vorletzten Sonntag "zu Protokoll": "Wenn wir es schaffen, den Transformationsprozeß, einen langwierigen Prozeß, als Prozeß der Bewußtwerdung der an der Bewegung Beteiligten zu strukturieren, werden die bewußtseinsmäßigen Voraussetzungen geschaffen, die es verunmöglichen, daß die Eliten uns manipulieren."

Es Ist ein langer, mühseliger, revolutionärer Marsch in eine lichte Zukunft uferloser "Bewußtwerdung", die für Dutschke die intellektuelle, zwangfreie Endlösung aller zwischenmenschlichen Probleme bedeutet: Kein Platz für "Apparate", für "Bürokratien" und "Manipulateure", denen sich Dutschke gerade jetzt, da ihn viele Deutsche zu begreifen suchen, ausgesetzt wähnt.

Dutschke: "Und nun haben sich die Manipulateure einen ausgesucht, bei dem es sich "ne Zeitlang sehr gut machen ließe, ihn zum Bürgerschreck abzustempeln." Er, der "bis ins letzte perfekt wie ein Freiheitsheld aussieht" ("Weitwoche"), hält sich offenbar für den Prügelknaben der "Bewegung" die doch viele Knaben hat. Dutschke: "Es gibt viele Dutschkes."

Hier, wie in vielem, irrt Dutschke, der in manchem recht hat. Etliche der rebellischen Studenten, zu deren Wortführern er gehört, mögen so denken wie Dutschke -- keiner hat sein Charisma. Keiner beflügelt die Jung-Akademiker zu Provokation und Demonstration wie er. Keiner verkörpert so sehr Sinn und auch Sinnlosigkeit studentischen Aufbegehrens. In ihm, schrieb die "FAZ", "konzentriert sich alles, was an den Berliner Vorfällen etwas von einer antiparlamentarischen Bewegung hat: Demagogie, demokratische Urversammlung, Rätesystem". Und was immer er ist -- ein akademischer Rattenfänger aus der Mark, ein Suchender im verwirrenden Gestänge moderner Technik und Organisation, ein Umwälzer auf den Spuren von Marx und Mao: Auf jeden Fall hat er, wie der Konstanzer Soziologe Professor Dahrendorf

* V. l. n. r.: Am 6. September 1967 im Frankfurter Amerika-Haus; am 28. September 1967 in Konstanz; am 8. Dezember 196? in der Frankfurter Universität, wo Professoren über Studenten, die sich zum Sitzprotest versammelt hatten, hinwegklettern mußten; am 16. Februar 1967 im Berliner Bischöflichen Ordinariat (Studenten forderten ein Mitspracherecht bei der Verwaltung des katholischen Studentenheimes "Wilhelm-Weskamm-Haus").

es ausdrückte, wieder "Öffentlichkeit" in das politische Leben der Bundesrepublik gebracht. Auf jeden Fall gäbe es ohne ihn keine so lebhafte Diskussion über Universität und Universitätsreform, über Jugend und Gesellschaft, kein Zuhauflaufen von Magnifizenzen, Spektabilitäten und Exzellenzen.

Ohne ihn wäre der Funke der Rebellion, der mit dem Sarg des erschossenen Studenten Benno Ohnesorg im Juni dieses Jahres aus Berlin nach Westdeutschland transportiert wurde, nicht so schnell übergesprungen auf Westdeutschlands Hochschulen. Ohne ihn hätte der "Sozialistische Deutsche Studentenbund" (SDS), Kerntrupp der Rebellion, diesen Funken nicht so lodernd schüren können.

Einen heißen Herbst lang entlud sich -- erst in den Großstädten, dann in der Provinz -- das angestaute studentische Unbehagen über angestaubte Universitäten, über deutsche Polizei und deutsche Obrigkeit, über Parlament und Parteien, von denen sich die Studenten verlassen fühlen. Sie randalierten mit ideologischem Überbau.

Studentische Provokateure sprengten alle Ketten der Konvention: In Hamburg schlichen sie nächtens auf den Campus-Rasen und kippten das Denkmal des deutschen Kolonial-Kommissars Hermann von Wißmann um (SDS: "Preußische Schießbudenfigur"). Uni-Zäune wurden mit Reimen unbekannter Poeten bepinselt: "Zieht die Magnifizenzen an ihren ideologischen Schwänzen!" Den Hamburger Rektor Werner Ehrlicher ("Ehrlicher wird immer entbehrlicher") brachten Studenten mit rüden Rufen zum Schweigen: "Rektor, du ekelst uns an."

Als der Regierende Bürgermeister Schütz letzten Monat in der Berliner Kirchlichen Hochschule sprach, erklang im Sprechchor der Dutschke-Vers: "Brecht dem Schütz die Gräten, alle Macht den Räten!" Und Kommune-Clown Dieter Kunzelmann, 28. mit rotem Bart und lila Schiebermütze, hüpfte dazu aufs Podium ("Ich verletze jetzt die Form") und versuchte. dem Halbstadt-Chef ein Flugblatt auf den Mund zu kleistern. Text: "Treibt Moabit den Teufel aus!"

In der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität drangen am 20. November um 11.40 Uhr durch eine Nottür 24 SDSler in den Hörsaal VI, umzingelten den gerade referierenden Bundesratsminister Professor Carlo Schmid und warfen Büroklammern und Streichhölzer auf sein Manuskript über "Theorie und Praxis der Außenpolitik".

Gestört wurden fast alle akademischen Feiern der letzten Wochen -- etwa

> in Mannheim, wo bei der feierlichen Immatrikulation aufgebrachte Studenten und aufgeblasene Luftballons zischten und Chöre "Rhabarber" murmelten, als Baden-Württembergs Premier Hans Filbinger in seiner Ansprache von "Führung" und "Autorität" redete; > in Tübingen, wo Studenten so lange scharrten, buhten und pfiffen, bis der Rechts-Ordinarius Otto Bachof von "organisiertem Infantilismus" sprach und den Abbruch der Immatrikulationsfeier forderte;

> in Berlin an der Technischen Universität, wo bei der Rektoratsfeier Mini-Flugblätter von der Galerie rieselten, Chöre "Prost" riefen und atonale Tonbandmusik sowie Zwischenrufe erschollen, die Physik-Professor Hans Boersch mit "Maul halten!" beantwortete;

> in München" wo beim Einzug der talargeschmückten Professoren Konfetti und Luftschlangen geworfen wurden, Seifenblasen aufstiegen und Studenten riefen: "Wir begrüßen den närrischen Elferrat unserer Universität!";

> in Heidelberg" wo bei der 581. Jahresfeier der Universität Spruchbänder ("Diskussion statt Repression") entfaltet wurden, bei der Totenehrung "Ohnesorg"-Rufe ertönten und Mozarts Idomeneo-Ouvertüre im Lärm unterging; > in Hamburg, wo Studenten beim Rektor-Wechsel ein Transparent mit der Aufschrift "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren" zeigten und Orientalistik-Ordinarius Spuler Demonstranten zurief: "Sie gehören alle ins Konzentrationslager!" Nur drei Prozent der 300 000 westdeutschen Studenten sind in politischen Hochschulgruppen organisiert -- nur ein Teil davon wiederum in linken Verbänden wie SDS, SHB ("Sozialdemokratischer Hochschulbund") und LSD ("Liberaler Studentenbund Deutschlands"). Die studentische Masse ist politisch desinteressiert; "höchstens ein Drittel" der 300 000 ist nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des "Verbandes Deutscher Studentenschaften", Jürgen Menzer, seit dem Ohnesorg-Tod in Bewegung geraten. Immerhin: Diese beachtliche Minderheit läßt in allen Bundesländern den Ruf nach der Demokratisierung der deutschen Hochschulen lauter werden. "Kritische Universitäten" etablieren sich, Flugblätter und Wandzeitungen überschwemmen die Unis. Demonstrationen häufen sich: gegen das Kurras-Urteil -- wie in Stuttgart, wo ein Sarg ("Justiz") durch die Stadt gezogen wurde -- und gegen die Notstandsgesetze, gegen den Vietnam-Krieg, gegen die NPD und gegen Springer.

Aufmüpfige Dutschkisten sitzen auch schon in den Klassenzimmern der Oberschulen -- Anlaß für die Direktoren-Vereinigung der deutschen Gymnasien, Anfang Oktober vor "radikalen und anti-demokratischen" Einflüssen des SDS auf Schüler zu warnen. Tatsächlich: Ein "Aktionszentrum Unabhängiger und Sozialistischer Schüler" (AUSS), dem 2000 Mitglieder angehören und das "richtig revolutionär" ("FAZ") ist, steht unter dem Einfluß der SDS-Studenten.

Mit Diskussionen, Flugblättern und einer Zeitschrift "mobil" (Untertitel: "Pamphlet zur Mobilisierung der Schüler gegen Arschkriecherei und Duckmäusertum") kämpfen die antikapitalistischen AUSS-Pennäler "gegen Lehrer, die uns ausschließlich mit idealistischer Seiche bepinkeln ... und uns unter dem Bild Heinrich Lübkes zu Abziehbildern ihrer eigenen Beschränktheit machen ... die uns im Auftrag der Herrschenden völlig verblöden, um uns dann Bildung und Reife zu bescheinigen".

Sie verlangen die "Pille für alle" und gründliche Sexualaufklärung im Biologieunterricht ("Nicht das Onanieren ist schädlich, sondern die Angst dabei"), um zu erreichen, daß "die Gesellschaft ... nicht mehr auf sexuell verklemmte, daher leicht lenkbare, gehorsame Staatsbürger zurückgreifen" kann.

Was nach bürgerlichen Maßstäben wie Rotznasen-Philosophie und pubertäres Rüpelspiel anmutet, sind Begleiterscheinungen studentischen Ungestüms, das sich seit Anfang der 60er Jahre in westlichen Industrie-Nationen ebenso entlädt wie in der Dritten Welt und -- vereinzelt -- im kommunistischen Ostblock. Es ist, wie der durch die Berliner Studenten-Rebellion strapazierte ehemalige FU-Rektor Hans-Joachim Lieber erkannte, eine "ziemlich weltweite Protestbewegung gegen die konformistische Gesellschaft, gegen die Autoritäten, gegen die Mächtigen".

Studenten-Demonstrationen waren der Anfang vom Ende des Syngman-Rhee-Regimes in Süd-Korea. Studenten spielten eine führende Rolle beim Sturz der Regierungen in Bolivien, in Südvietnam und im Sudan. Niedergeknüppelt wurden Studenten-Demonstrationen im Oktober dieses Jahres sowohl in Prag (Protestgrund: miserable Zustände in den Studentenheimen) als auch in Tokio (Protestgrund: Japans Außenpolitik); in Prag gab es über hundert, in Tokio über 700 Verletzte. 3000 Studenten protestierten vergangenen Monat in Paris gegen den Numerus clausus -- und gegen das Regime de Gaulles.

Das Vorbild für die Rebellion deutscher, namentlich Berliner Studenten gab die Revolte an der amerikanischen Staatsuniversität Berkeley ab, wo sich erstmals 1964 unter Führung des Studenten Mario Savio Tausende von Jung-Akademikern auflehnten -- hörbar und sichtbar zunächst nur gegen die Universitätsadministration. Doch das wirkliche Ziel war die Universität selber, die in der Denkweise der Entrüsteten sich als eine Erziehungsfabrik zur Fertigung standardisierter Menschenware darstellte. Es war Protest gegen das verchromte Verbraucherparadies Amerika, gegen die Bürokratie, gegen das Establishment -- gegen die moderne kapitalistische Industriegesellschaft insgesamt.

Dieselben Angriffsziele, dieselben Argumente, dieselben Forderungen -- etwa nach "qualitativer Veränderung der Gesellschaft" -- kennzeichneten die Studentenrebellion in Berlin und ließen den Münchner Philosophie-Professor Helmut Kuhn von einer "deutschen Wiederholung des amerikanischen Originals" sprechen. Dort wie hier wurden die Kampfmittel teils der internationalen Arbeiterbewegung (Demonstration, Streik), teils der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung entlehnt (go-in, sit-in, teach-in, love-in). Dort wie hier verschärfte Polizeigewalt den Konflikt. In Berkeley wie in Berlin wurden "Kritische Universitäten" gegründet.

Und selbst die Kader der Rebellion ähnelten sich. Professor Kuhn: "Die Führung der Revolte liegt in der Hand einer kleinen radikalen Gruppe, angeführt von einer intellektuell wohlausgerüsteten Persönlichkeit. Der Berliner Savio heißt Dutschke. In Berkeley firmiert diese Gruppe als FSM (Free Speech Movement), in Berlin als SDS."

Der SDS, den in Berlin -- trotz kollektiver Führung -- Rudi Dutschke steuert, fühlt sich in der Tat als "bewußtester Teil" der deutschen Studentenschaft -- eine Schar von mittlerweile 2000 Hochschülern, die in 30 Hochschulgruppen organisiert ist. Seit die SPD den Verband, der einst erste Stufe für die sozialdemokratische Parteikarriere war, im Jahre 1960 wegen Linksabweichung verstieß, versteht sich der SDS als "den abgetrennten linken Schwanz der Sozialdemokratie".

Die politischen Außenseiter, die sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, etwa vom "Stern"-Mitverleger Gerd Bucerius, vorn Komponisten Hans Werner Henze oder vom SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein, finanzieren, sind nach Ansicht des linken Marburger Polit-Professors Wolfgang Abendroth "die einzig intakte und legale Opposition" in der Bundesrepublik.

Die Gralshüter des Sozialismus -- teils hochbegabte Stipendiaten, teils Schwarmgeister, teils lümmelige Rabatzniks -- versammeln sich in winkeligen Höfen, wie in der Münchner SDS-Zentrale an der Knorrstraße 29, wo von getünchten Wänden Karl Liebknecht, Friedrich Engels und der ziegenbärtige Vietnam-Präsident Ho Tschi-minh auf die Eleven blicken. Oder, wie in Berlin, in einer Halbruine auf dem Kurfürstendamm, einst Sitz des Stabshauptamtes beim Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (woran ein steinerner Reichsadler über dem Portal erinnert).

Über sich in den Regalen die Schriften Mao Tse-tungs und die Klassiker von Marx bis Lenin, zu Füßen Hunderte von Kippen, diskutieren die SDS-Aktivisten nächtelang über den rechten Weg zum Sozialismus, und oft wird, wie die SDS-Anführer argwöhnen, auch nur "dialektisch dahergeschwätzt".

Einig sind sich die studierenden Sozialisten in ihrer Abneigung gegen die bürgerliche Gesellschaft, die muffigen Klimazonen der Bonner Republik. Und wie viele Habenichtse glauben sie, daß nur die Umkehrung aller Werte das sozialistische Heil bringen wird.


Ständig davor auf der Flucht, vom etablierten System aufgesogen zu werden und mithin ihr Selbstverständnis zu korrumpieren, setzen die Sozialisten im SDS "auf Minderheiten, die die Gesellschaft handelnd verändern" ("Die Zeit"). Für den SDS geben westdeutsche Arbeiter, voll angepaßt und nur noch für Ecklöhne streitend, keine Revolutionäre mehr ab. Sie wollen nicht mit hemdsärmelig aufmuckenden Proleten verwechselt werden und tragen Transparente mit Aufschriften wie: "Wir sind gesittet, keine Bande -- Arbeitskampf ist keine Schande." Und sie würden einen Rudi Dutschke auch nicht verstehen können, der sein akademisches Vokabular nicht lassen kann.

Dutschke hantiert unentwegt mit Wörtern wie "Repression" -- ein sozialpsychologischer Terminus, der die Unterdrückung menschlicher Triebe und Entwicklungsmöglichkeiten meint; "Integration" -- ein soziologisches Fachwort, das die Einordnung des Menschen in bestehende soziale, wirtschaftliche und politische Verhältnisse umschreibt; "Reproduktion" -- ein marxistischer Begriff für einen gesellschaftlichen Mechanismus, Bestehendes immer wieder zu tradieren, ohne es zu verändern, fortzuentwickeln; "Manipulation" -- eine besonders von Professor Herbert Marcuse gepflegte Vokabel, die besagt, daß das Bewußtsein der Menschen durch Instrumente der Herrschaft -- etwa Massenmedien -- gesteuert werde.

Studenten aber, zumindest der Geisteswissenschaften, hören dieses Polit-Chinesisch gern. "Benutze ich keine Fremdwörter", sagt Dutschke, "werde ich als unwissenschaftlich abgelehnt" -- insoweit zumindest paßt sich der integrationsunwillige Rebell dem akademischen Milieu an. Sein Denken und Fühlen umfaßt vornehmlich -- und fast nur -- die revolutionären Traditionen der letzten zwei Jahrhunderte.

Es beherbergt ein bißchen Rousseau ("Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit"), etwas Robespierre (der die Französische Revolution vorantrieb und dann von ihr verschlungen wurde) und sehr viel Marx, von dem er das gesamte gedankliche Arsenal zur Analyse kapitalistischer Produktionsverhältnisse übernommen hat. Er bewundert Rosa Luxemburg und Lenin (lehnt aber dessen Partei-Begriff ab), ist beeinflußt durch den Franzosen Frantz Fanon, der -- in "Die Verdammten dieser Erde" -- die Anwendung revolutionärer Gewalt in der Dritten Welt rechtfertigt, und kennt seinen Herbert Marcuse, dessen Vorstellungen von einer Menschheit ohne Krieg und Elend er teilt.

Aus diesem geistigen Humus und eigenen Zutaten formt Dutschke seine Argumente, die er in die Menge der Studenten knetet "wie ein Bäcker die Rosinen in den Teig" ("BZ"). Er sieht -- stark vergröbert -- die Welt so: Die Herrschenden "manipulieren" die Massen, die sich mithin nicht frei entfalten können. Die Arbeiter sind in die kapitalistische Gesellschaft "integriert" und deshalb unfähig zur "Revolution", für die es nur eine Basis gibt: die Studentenschaft. Denn die Studenten sind noch nicht integriert, weil sie zu jung sind und noch nicht im "Produktionsprozeß" stehen. Sie sind aber "privilegiert", "kritische Rationalität" zu entfalten. Sie können deshalb die "Manipulationen" durchschauen, die "Repressionen" erkennen und dieses Wissen anderen vermitteln -- sie "bewußtmachen". Das

ist für Dutschke der Beginn des revolutionären Prozesses, der eines fernen Tages zur Befreiung führt.

Das mochte nur wenigen Kommilitonen restlos einleuchten, machte aber viele mobil für die Entrüstung über "einen Staat, der laut Grundgesetz ein sozialer Rechtsstaat werden wollte sich aber bürgerlich restaurierte" (so der Berliner Hochschul-Fachmann und Senatsdirektor Harald Ingensand in einer Analyse studentischer Verdrossenheit). Und seit ·sich am Rhein die Große Koalition breitmachte, die keine Opposition mehr kennt" zerfiel für viele Studenten das Bild von der intakten Demokratie.

Zum Unbehagen an der Sterilisierung des politischen Lebens gesellten sich "Verzweiflung über die Selbstzufriedenheit des deutschen Kleinbürgers" (SPD-Fraktionschef Helmut Schmidt) und Unzufriedenheit am Studienbetrieb: Eine SPIEGEL-Umfrage ergab, daß 64 Prozent der Studenten eine Studium-Neuordnung für "unbedingt notwendig" halten.

Doch Reformvorschläge politischer Studenten-Zirkel wurden jahrelang von der Öffentlichkeit ignoriert. "Darin lag", erkannte der Hamburger Pädagogik-Professor Dr. Peter Martin Roeder, "ein starker Zwang ... zu schockierenden Formen von Demonstrationen Zuflucht zu nehmen."

Der Scheck war heilsam. Letzten Monat konstatierte das Hamburger Studenten-Blatt "auditorium": "Als wir noch brav Papier beschrieben, informierten, Resolutionen faßten, Eingaben machten, krähte kein Hahn nach uns ... Da haben wir Form Form sein lassen, und auf einmal berichtet die Presse bis hin zu den Springerblättern ausführlich und vor allem sachlich über unsere Probleme und erkennt die Berechtigung unserer Forderungen an."

In der Tat: Das bei der Rektoratsfeier in Hamburg von Studenten aufgezogene schwarze Spruchband "Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren" war der publikumswirksame optische Hintergrund für die Anklage des Asta-Vorsitzenden, der unter anderem den feierlich in Talar gewandeten Professoren vorhielt,

> daß von 600 Bewerbern für das Studienfach Pharmazie im Wintersemester 1967/68 nur 16 zugelassen worden seien:

> daß neudeutsche Grammatik an der Universität überhaupt nicht betrie-

* In Saarbrücken.

ben werde, ebensowenig wie eine Anfängervorlesung für das Studienfach Mathematik existiere;

> daß sich 3000 Pädagogik-Studenten in Räumen drängten, die für 800 vorgesehen seien;

> daß sinnvolle wissenschaftliche Arbeit in vielen Übungen, etwa in der Volkswirtschaft, Soziologie und Betriebswirtschaft, nicht mehr möglich sei.

Es sind manchmal nur "zwei Dutzend Schreihälse" ("Süddeutsche Zeitung"), die Schlagzeilen machen. Denn -- außer in Berlin, Hamburg, Marburg, Frankfurt, München und Köln -- gehören den SDS-Gruppen meistens nur dreißig oder vierzig und nur selten mehr als sechzig Mitglieder an die zudem oft nicht einmal Gefallen an Seifenblasen und Konfetti finden.

Und obwohl die meisten Allgemeinen Studenten-Ausschüsse eher linksgerichtet sind, bilden Dutschkes Pullover-Männer dort nur eine Minderheit: Der Berliner SDS (260 Mann) ist im neunköpfigen Asta der Freien Universität mit nur zwei, im zehnköpfigen Asta der Technischen Universität mit keinem Mitglied vertreten.

In West-Berlin kennt Rudi Dutschke unter seinen SDS-Anhängern nur "15 bis 20 Menschen, die wirklich hart arbeiten". Nicht größer ist die Zahl der Berliner Klamauk-Studenten. "Es handelt sich", berichtete der Pfarrer D. Friedrich-Wilhelm Marquardt bei einer Asta-Veranstaltung in Braunschweig, "wirklich nur um ... sieben oder acht oder elf nicht nur protestierende, sondern randalierende Studenten, die Mitglieder der "Horror-Kommune", die "Attentäter", die Handvoll Puddingmörder, die "FU-Chinesen." Klagte der Pfarrer: "Vor dieser Minorität schreit man auf, ruft man nach der Polizei, nach Disziplinar- und Verwaltungsakten, nach der Schließung der Universität ... Vor dieser Minorität kapituliert die Wahrheit."

Diese Minorität schreckt, weil es ihr -- so der Hamburger Professor Roeder -- "in ganz bestimmten Fällen gelingt, größere Studentenmassen auf ihre Seite zu bringen, und zwar mehr infolge der Reaktionen von öffentlichen Stellen oder der Polizei als aufgrund ihrer eigenen politischen Programme".

So trieben in der Tat der Schuß auf den Studenten Ohnesorg, die Verhaftung des Kommunarden Fritz Teufel, SDS-Bespitzelung durch den Verfassungsschutz in Gießen, Knüppelhiebe Berliner Polizisten und das rechtmäßige, aber nicht gerechte Kurras-Urteil Tausende Studenten in die Solidarität mit extremen Minderheiten. So kann Rudi Dutschke in West-Berlin "von heute auf morgen vier- bis sechstausend auf die Straße bringen. Und welche Partei kann heute", fragt er, "in der Bundesrepublik auf 4000 bis 6000 Aktive zurückgreifen?"

Die Reaktion von Obrigkeit, Polizei und Professoren entspricht genau dem, was Rudi Dutschke seinen Kommilitonen über das "System" erzählt hat. Nach seiner Erkenntnis muß Teufel sitzen, muß Kurras freigesprochen werden, müssen Polizistenknüppel tanzen. Und wann immer es geschieht -- auch dank Provokation durch die Dutschkisten -, sehen die Studenten ihren Mini-Mao bestätigt.

Denn die Gesellschaft, die für SDSler präfaschistische Züge trägt, kann sich nur so und nicht anders verhalten. Und Franz-Josef Strauß kann für Dutschke nur so und nicht anders sprechen: "Die radikalen Gruppen verdienen nicht mehr den Namen Student. Sie sind primitive Hetzer, die in erbärmlicher Weise von der geschmähten Gesellschaft Geld nehmen und dafür aus der Freiheit zuerst Narrenfreiheit und dann Unfreiheit machen wollen. Ich weigere mich, sie als "außerparlamentarische Opposition" anzuerkennen. Das ist keine Opposition mehr, sondern allenfalls ein moderner zoologischer Garten, in dem man sich von Rauschgift, Maoismus und freier Liebe ernährt."

Rudi Dutschke, zumindest, nimmt kein Rauschgift und ist ordentlich verheiratet: "Ich lebe mit Gretchen Klotz" einer Amerikanerin, zusammen; verheiratet sind wir auch. Sie studiert Theologie und schreibt eine Magisterarbeit über "Revolutionäre Tendenzen im Urchristentum." Beide kampieren in einer vom SDS als Hauptquartier gemieteten 10 2/3-Zimmer-Wohnung am Kurfürstendamm, zwei Treppen hoch über einem Sargladen ("Bestattungen aller Art").

Dutschke raucht nicht, trinkt nicht, und sein SDS-Freund Reimut Reiche -- ehemaliger SDS-Vorsitzender -- erinnert sich: "Wenn die anderen Bier soffen, dann war es bei Rudi höchstens Malzbier." Beat-Musik ist ihm allenfalls Anlaß, über "Repression" zu reden. Fast immer trägt er ein Buch unter dem Arm, in jeder freien Minute lesend. Der nach Auskunft seiner Professoren "hochbegabte" Student arbeitet an einer Dissertation über ",Der Kommunismus" (Zeitschrift der kommunistischen ungarischen Emigration) als Kristallisationskern der westeuropäischen Opposition innerhalb des Komintern".

Er hat viel Sport getrieben (100-Meter-Lauf als Jugendlicher 11,5 Sekunden, Diskuswerfen über 40 Meter, Stabhochsprung 3,80 Meter), aber er ist nicht mehr im Training -- es sei denn, "die Polizei hält mich in Schwung". Er ging in Luckenwalde (DDR) zur Schule und trat der FDJ wie der evangelischen "Jungen Gemeinde" bei. "Der Pfarrer", erinnert sich Dutschke, "hat weniger von der Religion als vom beschissenen gesellschaftlichen Zustand gesprochen."

"Ziemlich beeinflußt vom christlichen Sozialismus", weigerte sich der Kirchgänger 1957, kurz vor seinem Abitur ("Befriedigend"), in der FDJ-Jahresversammlung seiner Schule, den damals "freiwilligen" Dienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) abzuleisten. Prompt lehnte die Schule die Studienbewerbung des Jung-Athleten ab, der in Leipzig Sportjournalismus studieren wollte und nun im Luckenwalder VEB "Beschläge" den Beruf eines Industriekaufmanns erlernte -im Glauben, die Genossen von der Betriebsleitung würden ihn zum Studium delegieren. Er hoffte vergebens.

Nach einem Intermezzo bei einem Luckenwalder Privatunternehmen begann der 20jährige Rudi Dutschke, nach West-Berlin zu pendeln, wo er. um im Westen studieren zu können, an der Askanischen Schule in Neukölln noch einmal Abitur machte (Deutsch und Geschichte: "Sehr gut").

Der Abiturient, der aus dem Osten kam, begann im November 1961 an der Freien Universität mit dem Soziologie-Studium, ließ sich von Rosa Luxemburg ("Rosa hat mal gesagt ...") und Iljitsch Lenin beunruhigen und schloß sich zwei Jahre später der "Subversiven Aktion" an, deren Mitglieder sich für "Anarcho-Kommunisten" hielten, die Zeitschrift "Anschläge" herausgaben und ein Jahr später die Berliner SDS-Führung enterten.

Dieser Rudi Dutschke spielte keineswegs eine Halle in dem sich 1962 anbahnenden Konflikt zwischen FU-Studentenschaft und Universität. Er war nie Asta-Mitglied oder Studentenfunktionär und galt bis 1966 selbst im SDS als Außenseiter.

Seine Stunde wurde von der Großen Koalition eingeläutet. Auf einer "Falken" -Veranstaltung in Berlins Hasenheide trat er im November 1966 zum erstenmal öffentlich auf -- mit einer Rede gegen das schwarz-rote Bündnis von Bonn. Zwei Wochen danach führte er bereits eine Studentengruppe von einer polizeilich genehmigten Marschroute hinweg zur City, rief die Demonstranten zu einer "gewaltigen außerparlamentarischen Opposition" auf und erreichte prompt, daß die Polizei zum Knüppel griff.

Er wies den Berliner Rebellen den Weg: "Wir sind in einer fast ohnmächtigen Situation. die wir nur durchbrechen können, indem wir die etablierten Spielregeln, die nicht die unsrigen sind, durchbrechen." Und: "Ohne Provokation werden wir überhaupt nicht wahrgenommen."

Er war es, der das Pudding-Attentat der Horror-Kommune gegen US-Vize-Präsident Humphrey inspirierte, neue Demonstrationsformen ersann ("Spaziergang auf dem Kurfürstendamm") und den FU-Rektor dazu brachte, Polizei auf den Boden der Universität zu holen. Er attackierte die Sozialdemokraten ("Systematisch versuchen sie, die Kritik abzuwürgen"), predigte von der Kanzel der Neu-Westend-Kirche zu Kommilitonen, die für Fritz Teufel in den Hungerstreik traten, und forderte: "Enteignet Springer."

Dutschke rief dazu auf, den Kampf aus der Universität in die Gesellschaft zu tragen, organisierte Demonstrationen, die gegen polizeiliche Auflagen verstießen, und durchbrach am 27. November mit Kommilitonen die Polizeiabsperrung vor dem Kriminalgericht Moabit, in dem der Teufel-Prozeß begann.

Der asketische Agitator, der in privaten Gesprächen einen intelligenten, sympathischen Partner abgibt, sich korrigieren läßt, mitunter schallend lacht und auf charmante Weise verlegen sein kann, geriet ins Fadenkreuz der Justiz

Samstag