Freitag, November 18, 2011

Draculawetter







Bei dem Wetter wäre es besser Horrofilme zu schauen als Tatsachenberichte aus den KZ´s vergangener Jahre.
Solche Berichte ziehen die Laune richtig runter.

Rainer



Ich höre

Revolution

Der eine oder andere geneigte Leserin bzw. Leser ist vielleicht aufgefallen dass ich die 68ger und Hippie Generation nicht sonderlich leiden kann. Zugegeben, ist ein etwas narrisch Gehabe von mir, aber so ist es nun mal.
Schwierig wird es, einem heute 30jährigen zu erklären wie es damals war, weil ich diese Zeiten Ende der 60ger bzw. Anfang der 70ger Jahre selbst auch kaum mehr verstehe und auch zu jung war.

Doch wenn man folgendes hört oder liest. Das Grauen. Nicht recht verwunderlich dass manch einer Terrorist und Mörder wurde.

Geschickter waren wohl die Beatles mit ihrem : All you need is Love oder Mick Jagger:“Was kann ein armer Junge schon gegen die Mächtigen dieser Welt tun. Er kann in einer Rock´n Roll Band spielen (Street fighting Man)

Rainer







Verschwindet, ich zähle auf drei ...

SPIEGEL-Reporter Gerhard Mauz über die "fahrlässige Tötung" des Lehrlings Katschker in Konstanz

Von Mauz, Gerhard

Über den Bodensee ist schon mal einer geritten, in einer Ballade von Gustav Schwab. Doch am Bodensee ist heute noch ganz anderes möglich. In Konstanz beispielsweise kann man junge Leute bedrohen, ohne eine von Amts wegen tätige Person zu sein: "Verschwindet, ich zähle auf drei -- sonst knallt's." Und wenn es dann geknallt hat und es liegt ein 17jähriger tot da -- dann ist das anderthalb Jahre später für ein Konstanzer Schwurgericht nur fahrlässige Tötung gewesen.

Hans Obser, Jahrgang 1932, ist Sohn eines Maurers. war ein mäßiger Schüler, begann das Schuhmacherhandwerk zu lernen, ging jedoch 1949 auf den Bau. Damit mußte er 1959 wegen eines Bandscheibenschadens aufhören. Er fand Beschäftigung bei der Bodenseefähre und später beim Verkehrsbetrieb der Stadt. 1967 wurde er entlassen. 1968 begann er in einer Druckerei.

Hans Obser ist einer von denen, die gelebt werden und daran leiden, daß sie gelebt werden. Und er ist ärger dran als jene, die gegen die Welt rebellieren, in der einen Platz zu finden sie nie eine Chance hatten: Denn Hans Obser hält die Werte in Ehren, die in der Welt gelten, die ihm nie eine Chance und mehr als einen kümmerlichen Platz bot.

Fleiß und Ausdauer etwa sind hohe Werte für Hans Obser. Doch wie soll einer fleißig sein, der stets nur zu schaffen hat, was man ihn tun läßt -- und der sein Leiden an diesem Gelebtwerden nicht anders als durch mal diese, mal jene Krankheit ausdrücken kann. Schließlich ist Hans Obser wirklich krank, denn er braucht Alkohol, um die Werte hochzuhalten, die zu hoch für ihn hängen.

Er trinkt nicht unmäßig, denn er rebelliert ja nicht. Er trinkt nur stetig. Er verliert ein Viertel seines Magens, denn an dem frißt, was er schluckt. Leber und Nieren nehmen Schaden. Nun gerät er gelegentlich in Konflikt mit der Ordnung der Werte, die er hochhält, weil die Treue zu diesen Werten mehr Alkohol braucht, als er noch verträgt.

im Sommer 1964 wird er verurteilt. Er ist mit zwei Promille und ohne Licht durch die Stadt gefahren. Die Polizisten, die ihn aus seinem Goggo zerren müssen, hat er mit dem Vokabular der verlogensten aller Wertwelten beschimpft: "So etwas wie euch hätte Hitler im Dritten Reich vergast." Als er 1967 nach zweimaliger Verwarnung aus dem städtischen Verkehrsbetrieb entlassen wird, geschieht das des Alkohols wegen.

Spät, im Sommer 1970, werden die "Gammler" für Konstanz zu einer "stadtpolitischen Situation". Beat und Festival locken "Langhaarige". Für die Konstanzer bricht eine Invasion herein: Zigarettenkippen im Stadthaus, Nachtlager im Freien und ungeniertes Treiben. Im Bürgerausschuß fordert ein NPD-Mann, Konstanz von "diesen Figuren" zu säubern. Er sei bereit, mit 40 Bürgern dafür zu sorgen, daß "die Gammler wegkommen" (SPIEGEL 37/ 1970). Die Gewerkschaften protestieren gegen die "Aufforderung zur Bildung einer Bürgerwehr mit Lynchjustiz". Verbaler Großkampf bricht aus. Ein Unbekannter schreibt: "Herrgott, befreie uns von dieser Pestbeule. wenn Du es nicht kannst, schicke uns Hitler!"

Daß damals Stadt und Leute eine Situation, die sicher nicht arm an Belästigungen war, als einen Katastrophenfall empfanden, läßt sich nicht ausradieren. Konstanz war im August 1970 eine Versuchung für einen Mann wie Hans Obser, so wie im Jahr 1968 die Bundesrepublik in ihrer Stimmung gegenüber Dutschke eine Versuchung für Josef Bachmann gewesen ist.

Hans Obser ist einer, der daran leidet, daß er gelebt wird, der jedoch nicht gegen die Welt rebelliert, außerhalb derer seine Kümmerexistenz angesiedelt ist. Statt dessen hat sich in ihm ein Spürsinn für den Sinn jener entwickelt, die ihre Chance hatten und für die Hans Obser draußen vor der Tür steht. Hans Obser spürt -- so wie vor ihm Josef Bachmann -- was jene wollen, für die er niemand ist.

Die wollen niemals töten, weder den Dutschke noch die Gammler. Doch insgeheim wollen sie nichts anderes, als daß die Belästigung und die Beunruhigung mit Stumpf und Stiel beseitigt werden. Hans Obser spürt das, und so wird die "heile Welt", die dergleichen niemals täte, tätlich durch einen von denen, die man niemals den Bürgern und ihrer Ordnung wird anlasten dürfen. Es schießt einer, der hofft, doch noch Anerkennung und Aufnahme zu finden, indem er tut, was die anderen insgeheim wünschen.

Am Abend "des 29. August 1970 will Hans Obser auf dem Blätzle-Platz in Konstanz, dem Zentrum erfundener Ungeheuerlichkeiten und tatsächlicher Störungen, nur mit den Gammlern reden: "Ich bin eine Bürgerwehr für mich allein." Er ist "einer von der anderen Sorte", er hat keine Zeit, auf einem Platz herumzusitzen. Er ist mal wieder krankgeschrieben, diesmal wegen Ischias. Er hat getrunken vorher und ein Bolzenschußgerät bei sich, einen Hasentöter. Seine Frau ist am Nachmittag verreist. Er sucht den "Maßgebenden", den, der alles auf dem Blätzle-Platz "arrangiert".

Sein zehnjähriger Junge sagt: "Komm, Papa, mer ganget." Und dann soll, weil sein Junge ihn am Arm zog, der Hasentöter losgegangen sein, und tödlich getroffen wurde kein Gammler, sondern der 17jährige Tankwartlehrling Martin Katschker, der auf einen Freund wartete, mit dem er ins Kino gehen wollte.

Das Schwurgericht in Konstanz hat nur auf drei Jahre Freiheitsstrafe wegen fahrlässiger Tötung erkannt, und das könnte ein Urteil sein, das der Existenz Hans Obsers gerecht würde angesichts der Schuld jener, die jede Tötungsabsicht weit von sich weisen. Doch in dieser Hinsicht enthält das Urteil nichts.

Nichts hat das Gericht unternommen, als die Wochenpflegeschwester Maria Köll, 71, als Zeugin erklärte, auf dem Blätzle-Platz, den sie "wochenlang" aufgesucht habe, hätten sich die jungen Leute wie Tiere benommen, so, daß es unmöglich gewesen sei, "hier weiterleben zu können". Die Zeugin hat Hans Obser in der Sitzung unwidersprochen gedankt.

Nach dem Tod Martin Katschkers sprach der Konstanzer Oberbürgermeister 1970 von einer erschütternden Bluttat und meinte, man habe diese "vor dem Hintergrund mangelnder Toleranz gegenüber der Jugend zu sehen". Doch jetzt hat ein Einzelgänger getötet, und dem ist auch nur Fahrlässigkeit unterlaufen, obwohl er sich den Nachmittag über mit Alkohol und Geschwätz der Tötung genähert hat, die ihm Zutritt verschaffen sollte bei den Gerechten.

Hey Ray



Konstanz 1979. Wir hören in der Wollmatinger Straße die LP „Zurück in die Zukunft“ der Neue Deutsche Welle Sampler von Punk Pabst Alfred Hilsberg (stadtbekannter Alkoholiker in Hamburg). Auf der LP ... die Band ZK. Die Vorgängerband von Toten Hosen. Die Hosen gibt es jetzt 30 Jahre. Ca. 1981 spielte Dagmar in Düsseldorf/Ratinger Hof mit Campino Tischfußball und die Hosen bekamen für einen Auftritt gerade mal eine Kiste Bier. Hat sie mir mal geschrieben. Vor einem halben Jahr. Ungefähr im Jahr 1982, kaufte ich im Scheißladen Berlin
--
Norbert Hähnel (stadtbekannter Alkoholiker in Berlin) war Betreiber des Plattenladens "Scheissladen" in Berlin. Als Freund der Toten Hosen durfte er in deren Vorprogramm auf der Bühne den echten Heino imitieren, also mit blonder Perücke und Sonnenbrille auf der Bühne zum Playback herumstolzieren, was großen Zuspruch hervorrief.
---
die Cassette mit den Hosen. Der zweite Live Auftritt von denen. Im SO36. Berüchtigter Laden. Gibt es heute noch.

Jenem Stadtteil in Berlin wo damals vor allem Türken wohnten. Oranienstraße. Heute ist dort kein Türke mehr zu sehen. Ca. 2005 frühstückte ich + Ex dort inmitten vieler jungen Franzosen. Die hatten gerade das Wochenende durchgefeiert. Frieder Butzmann meinte in einem Telefongespräch mit mir vor kurzem, dass die Franzosen inzwischen nicht mehr kommen.

Die Hosen haben dieses Jahr eine „Best of“ CD heraus gebracht. Ein Exemplar (natürlich nicht mein Exemplar. Die gebe ich nie weg. Nur wenn ich total verarmt bin. Vorher schlage ich meine Mutter tot) der Cassette von 1981 wurde vor kurzem bei ebay für 150€ verkauft.

Rainer



Letzte Nacht Bodenfrost