Donnerstag, November 25, 2010

Geschwisterliebe


Geschwisterliebe - live - Die Ärzte - MyVideo



Hagen Liebing, besser bekannt als 'The Incredible Hagen', war zwischen 1986 und 1988 Mitglied der Besten Band der Welt. Über seine Zeit als Popstar hat er jetzt ein amüsantes Buch geschrieben.

Konstanz (mis) - Liebings Werk heißt "Meine Jahre mit Die Ärzte",

(kostet bei amazon inzwischen 68 Euro)

obwohl sich der Titel "2000 Mädchen - The Incredible Hagen erinnert sich", förmlich aufgedrängt habe, wie der Autor gleich in der Einleitung zugibt. Doch er habe nicht flunkern wollen. Seit er beim zwanzigjährigen Bühnenjubiläum seiner Ex-Kollegen 2002 in Berlin den gleichnamigen Ärzte-Song mit Farin und Bela live performen durfte, hat der Bassist und heutige Journalist mit seiner Vergangenheit Frieden geschlossen.

Dass dies in den 90er Jahren lange nicht der Fall war, bestreitet Liebing nicht. Zu tief sei er verletzt gewesen, als seine Ex-Kollegen 1993 mit Rod Gonzalez ein Comeback starteten, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen, geschweige denn in Betracht zu ziehen. Doch mit Böswilligkeiten hält sich Liebing nicht lange auf. Seine Tagebuch-Einträge der drei Ärzte-Tourneen zwischen 1986 bis hin zum legendären Abschlusskonzert auf Sylt 1988 dokumentieren die Begeisterung und Unbeschwertheit jener Tage, als die Ärzte sich mehr mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften als mit Nummer Eins-Platzierungen herum schlagen mussten.

Hagens Einstieg fiel in eine schwierige Phase. Das Album "Im Schatten der Ärzte" verkaufte sich 1985 weit schlechter als "Debil", woraufhin die damalige Plattenfirma CBS einen Erfolg von "Die Ärzte" einforderte. Stattdessen indizierte die erwähnte Bundeszentrale das neue Ärzte-Album aufgrund des Songs "Geschwisterliebe" und plötzlich sank das Interesse von CBS an den Ärzten gegen Null. Auf Tour hatten die drei dennoch ihren Spaß.

Bela verlieh, zum Leidwesen von Farin und Hagen, seiner zunehmenden Metal-Begeisterung (Sodom, Megadeth) vor allem im Tourbus Ausdruck. Damit das Nachtleben zwischen Lüdenscheid und Delmenhorst nicht allzu langweilig geriet, suchte und fand vor allem Farin weibliche Ablenkung, während Bela mit Busfahrer Nopper zielstrebige Tequila-Vernichtungsfeldzüge startete. Einer kurzen Romanze mit der US-Sängerin Taylor Dane 1988 stand dieses Hobby scheinbar nicht im Wege. Hagen selbst strapazierte allabendlich seine Telefonrechnung, da er damals bereits verheiratet war. Ein Umstand, den ihm BRAVO die vollen zwei Jahre lang nicht glaubte.

Mit dem heute so typischen Ärzte-Humor konnte das damals noch sehr junge Publikum allerdings nicht immer Schritt halten. Als Bela, Farin und Hagen eines Abends eine Live-Version von "Geh'n wie ein Ägypter" vom Band abspielten und mitten im Song die Bühne verließen, dachte ein Großteil der Zuschauer allen Ernstes, ihre Helden spielten tatsächlich die ganze Zeit Playback. Hagen konnte es nicht fassen: "Wir müssen Ironie erklären". Zumindest das bleibt Bela und Farin heutzutage erspart.
---
Hagen stieß 1986 zu den Ärzten, als Bela B. ihn anrief und fragte, ob er Popstar werden wolle. Das erste gemeinsame Konzert war ein Benefizkonzert für „den wahren Heino“ im Berliner Tempodrom. Im Gegensatz zu Rodrigo Gonzalez und Hans „Sahnie“ Runge war er nur angestellter Bassist und kein Mitglied im eigentlichen Sinne (daher war auf jeder Ärzte–CD, bei der er mitwirkte, der Vermerk „featuring The incredible Hagen“ zu finden) und akzeptierte dies auch. Dies kam daher, dass Farin und Bela ihn bei seinem Einstieg vor die Wahl stellten, entweder angestellt zu sein (was einen Festlohn bedeutete) oder komplett einzusteigen (was eine Gewinnbeteiligung, aber auch das Mittragen von Verlusten der Band bedeutet hätte). Da Hagen zu dieser Zeit noch studierte, entschied er sich für die Anstellung. Er wurde in die Band geholt, weil Farin und Bela nach Sahnie einen ruhigen Menschen suchten, den sie in Hagen auch fanden.

Während seiner Zeit als Bandmitglied studierte er Medienwissenschaft. Auf die Frage, weshalb Hagen 1993 zur Reunion nicht erneut engagiert wurde, sagte Farin Urlaub in einem Radiointerview 2005, dass Hagen seinen Bass vier Jahre lang nicht angefasst hatte und sich Bela B. und er auch weiterentwickeln wollten. Hagen war nie mit Leib und Seele in der Musik, sagte Farin. Hagen spielte lediglich 1997 noch ein Lied für das Ärzte-Tribute-Album GötterDämmerung ein, sowie im Rahmen des 2002er „15 Jahre netto“-Konzertes von Die Ärzte noch einmal für ein einziges Lied (2000 Mädchen) mit diesen zusammen. 2003 veröffentlichte er sein Buch „The Incredible Hagen – Meine Jahre mit 'Die Ärzte'“. 2002 erschien eine Benefiz-Single für Tennis Borussia Berlin. Unter dem Label „E-Blox“ und mit der Melodie des Liedes „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones wurde das Lied „TeBe rockt!“ aufgenommen und als Vinyl gepresst. Die Band bestand aus Hagen Liebing, Holgi (von den Towerblocks), Denis und Alex (von cueball).

---
Nun gut. Ich bin Besitzer einer Totenkopfgitarre die mir Tom in Hamburg gebaut hat. Kostete damals mich 2600 und ist heute unter 3800 nicht zu bekommen. Farin Urlaub spielt die gleiche Gitarre wenn auch mit einem anderem Totenkopf.

Berlin 1984 – Großbeerenstaße

Ich betrete den Scheißladen. Anwesend Norbert Hähnel, der Ladennbesitzer, später der „wahre Heino“ der zusammen mit den Toten Hosen auftrat, noch später Lokalbesitzer, heute vermutlich fast, aber nur fast, er trat 2009 mit den Hosen auf, kaputt wegen Alkohol. Seien damalige Freundin war gerade dabei einen BAFÖG Bogen aus zu füllen. Ich kaufe mir drei Cassetten.








Gebe ich nie mehr her. Unverkäuflich.

Rainer